![]() ![]() ![]() |
VDMCA Presseinformation 02/2001-09-27 Unterhaltungsangebote im Handy immer wichtiger 27.09.2001 (VDMCA, Düsseldorf) Je näher der Zeitpunkt des UMTS-Betriebs rückt, umso mehr richtet die Telekommunikationsbranche ihr Augenmerk auf Zusatzdienste. Die UMTS-Lizenzinhaber müssen damit rechnen, dass die anvisierten Gesprächsgebühren von ca. 0,20 € pro Minute wegen des starken Verdrängungswettbewerbes bis 2007 auf weniger als die Hälfte sinken werden. Bei dieser Vorausschau wird es schwer werden, die 50 Milliarden € Lizenzkosten und die Aufwändungen für Marketing sowie Netzaufbau zu verdienen. Dabei sind die Finanzkosten in dieser Kalkulation noch nicht einmal enthalten, die den Unternehmen heute schon zu schaffen machen. Eine verführerische Lösung liegt darin, kostenpflichtige Inhalte für die Kunden so attraktiv zu gestalten, dass diese bereit sind, dafür pro Monat mindestens ebensoviel zu zahlen, wie für´s normale telefonieren. Geht es nach den Vorstellungen der Telekom- und Unterhaltungsbranche, werden die Geräte in naher Zukunft zum alltäglichen Berieselungsbegleiter. Musikdateien, als MP3 Format zum Schreckgespenst der Phonobranche geworden, sollen in HiFi-Qualität aus Kopfhörern erklingen oder gar über Aktiv-Boxen die Gartenterrasse beschallen. Videoclips oder ganze Filme sollen Wartezeiten von Langeweile befreien - und zu allem können die so unterhaltenen Konsumenten gleich über WAP-Portale in Internet-Manier die dazugehörigen Merchandising-Produkte bestellen. Bezahlt wird bequem über die Telefonrechnung. Um die Rahmenbedingungen dafür verbraucherfreundlich und praxisgerecht zu gestalten, berät der Verband Deutscher Mobilfunk Content Anbieter (VDMCA) seine Mitglieder. Er stellt damit die Brücke zwischen Vision, Regulierung und Machbarkeit her. Neben Informationsdiensten, Mail, Bildtelefonie oder Schnappschuss-Postkarten ist damit die digitale Rundumversorgung gesichert. Alles in allem sollen in dieser Kombinationswirkung rund 130 € pro Monat über jedes handliche Allround-Talent umgesetzt werden. Die prinzipiellen Überlegungen erscheinen logisch, zweifelhaft ist jedoch, ob diese ganzheitlichen Angebote realisierbar sind. Technisch steht dem Vorhaben nur ein Mangel an verfügbarer Bandbreite entgegen, der zumindest in den ersten zwei bis drei Jahren den Visionen enge Grenzen setzt. Zudem hat beispielsweise das Napster-Debakel im Internet bewiesen, dass die Phonoindustrie wohlmöglich nicht flexibel genug ist, von der klassischen Einkommensvariante einer zählbaren CD, zu akzeptablen Lizenzgebühren auf digitale, speicherbare Datenströme einzuschwenken. An der Aufgabe, harmlose Klingeltöne für heutige Handys sinnvoll in die finanziellen Aspekte des Urheberrechtes einzuklinken, ist sie bislang gescheitert. Zusammen mit der GEMA fordern die Musikmanager über 40% der Endverbraucherpreise als Gebührenbeteiligung - in einem Markt, zu dem sie selbst weder die abgespielten Musikzitate noch die Übertragung oder das Marketing beigetragen hat. Unter diesen Vorzeichen sieht der finanziell erfolgreiche Start der sogenannten Mehrwertdienste im UMTS nicht allzu rosig aus - nach eigenem Bekunden eines Vertreters zweier grosser Musikkonzerne, sollen Verhandlungen über den klingenden Handyspass als Kampf um die Marktmacht verstanden werden. Er befürchtet, das Geschäft mit den Klingeltönen sei für die grossen Mobilfunk-Konzerne bloß ein Probelauf. Am Beispiel Japan (DoKoMo) wird allerdings deutlich, dass erfolgreiche Inhalteanbieter eher quirlige Kleinunternehmer als Konzerne sind. Führt dieses Markt-Missverständnis vor Einführung der UMTS-Technik also geradewegs vom Internet-Debakel der Phonobranche zum UMTS-MP3 Waterloo? VDMCA Vorstand Franz-Josef Rehmann, Rechtsanwalt aus Büren meint dazu: "Bei allem Respekt vor meinem eigenen Berufsstand, die Branchen sollten sich kaufmännisch und marktnah einigen, anstatt zuerst mit Paragraphen ein junges Geschäftsfeld zu torpedieren." Dieser Text ist ab sofort zur Veröffentlichung mit oder ohne Urheberangabe freigegeben. Um Belegexemplare wird gebeten. Für nähere Informationen und Hintergrundgespräche zum Thema steht Ihnen der Verfasser M. Peters gerne zur Verfügung. Kontaktaufnahme bitte über mp@ccl.de
|